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Heimisches Superfood: Was wirklich in Brennnessel, Holunder & Co. steckt

  • 2. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Aug.

Fundierte Erklärungen und einfache Ideen für deinen Alltag.


Frau im sonnigen Feld hält eine Brennnessel an den Mund, goldenes Licht, ruhige Sommerstimmung

Stell dir eine Wiese im Frühsommer vor. Barfuß im Gras, der Geruch von Löwenzahn und frisch gemähtem Heu in der Luft, und überall Pflanzen, an denen die meisten von uns achtlos vorbeigehen. Brennnessel. Löwenzahn. Gänseblümchen. Für viele ist das einfach nur "Unkraut". Dabei tragen genau diese Pflanzen eine Nährstoffdichte in sich, für die andere teure Kapseln kaufen.


Ich nenne Wildkräuter deshalb gern unser heimisches Superfood. Und zwar nicht, weil es cool klingt, sondern weil es stimmt: Was hier vor unserer Haustür wächst, steht den importierten Trend-Beeren aus Übersee in nichts nach. Aber damit das mehr ist als eine schöne Behauptung, will ich dir in diesem Artikel zeigen, was an den bekanntesten heimischen Wildpflanzen wirklich dran ist und was traditionelle Erfahrung von wissenschaftlich belegter Wirkung unterscheidet.


Warum wir überhaupt wieder hinschauen sollten

Müdigkeit, Gereiztheit, das Gefühl, sich schlecht konzentrieren zu können... viele von uns kennen das aus dem eigenen Alltag. Chronischer Stress und ein Ernährungsstil, der mehr verarbeitete als frische Produkte umfasst, spielen dabei eine Rolle. Kein Wunder, dass Nahrungsergänzungsmittel gerade boomen. Nur: Isolierte Nährstoffe in Kapselform sind nicht automatisch die bessere Lösung. Wildpflanzen liefern ihre Inhaltsstoffe im Verbund: Mineralstoffe, Vitamine, Bitterstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, wie die Natur sie zusammengestellt hat, nicht wie ein Labor sie isoliert hat. Schauen wir uns ein paar der bekanntesten heimischen Pflanzen genauer an.


Brennnessel: mehr als nur Brennhaare

Die Brennnessel ist wahrscheinlich die unterschätzteste Pflanze vor unserer Haustür. Sobald sie blanchiert oder getrocknet ist, verliert sie ihre Brennwirkung komplett und wird zu einem milden, spinatartigen Grün. Ernährungsphysiologisch ist die Brennnessel für ihren Gehalt an Mineralstoffen wie Eisen und Calcium sowie Vitamin C bekannt, deshalb landet sie bei mir regelmäßig im Smoothie oder in der Gemüsepfanne. Traditionell wird Brennnesselkraut außerdem als harntreibendes Mittel eingesetzt, um die Harnwege zu spülen, sowie bei leichten Gelenkbeschwerden. Das ist eine seit langem etablierte, traditionelle Anwendung. Wenn du gesundheitliche Beschwerden hast, ist das aber kein Ersatz für ärztlichen Rat, sondern allenfalls eine sanfte Ergänzung.


Holunderblüten: die Erkältungspflanze mit Tradition

Holunder begegnet uns gleich zweimal im Jahr: Im Frühsommer als duftende Blütendolde, im Spätsommer als dunkle Beere. Wichtig zu wissen: Die offiziell anerkannte traditionelle Anwendung bezieht sich auf die Blüten, nicht auf die Beeren. Holunderblütentee wird traditionell bei ersten Erkältungssymptomen getrunken. Die Beeren wiederum sind vor allem als Sirup oder Saft ein wunderbarer, vitaminreicher Genuss aus der Natur, nur eben (roh ungeeignet und) ohne eigene offizielle Traditional-Use-Einstufung.


Lavendel und Baldrian: Unterstützung für ruhige Momente

Wenn der Kopf abends nicht zur Ruhe kommen will, greifen viele zu Lavendel oder Baldrian. Beide gehören zu den am besten dokumentierten Pflanzen, wenn es um traditionelle Anwendung bei leichten Stresssymptomen und zur Unterstützung des Einschlafens geht. Das heißt nicht, dass sie bei jedem gleich wirken oder eine Therapie ersetzen, aber als sanftes Ritual vor dem Schlafengehen, etwa als Tee oder Duftkissen, haben sie sich über Generationen bewährt.


Löwenzahn: der Bitterstoff-Klassiker

Löwenzahn ist ebenfalls eine Pflanze, die konsequent unterschätzt wird, dabei wächst er buchstäblich überall! Seine Bitterstoffe machen ihn zur traditionellen Pflanze bei leichten Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl oder träger Verdauung, sowohl Blätter als auch Wurzel. Ein paar junge Löwenzahnblätter im Salat sind eine der einfachsten Arten, diese Bitterstoffe wieder in den Alltag zu holen. Und das ist etwas, das unserer Ernährung heute oft komplett fehlt.


Damit du wirklich etwas davon hast

Wissen über Pflanzen ist das eine, es in die Hand zu nehmen, das andere. Ein paar einfache Einstiege für dich zum Ausprobieren:

Brennnesseltee: Ein bis zwei Teelöffel getrocknetes Kraut mit heißem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.

Löwenzahn im Salat: Junge, noch nicht blühende Blätter sind am mildesten im Geschmack.

Holunderblütensirup: Ein klassisches Sommerrezept, das sich mit wenigen Zutaten zubereiten lässt und so lecker schmeckt!


Ein Sicherheitshinweis, der mir wichtig ist:

Sammle nur Pflanzen, die du zweifelsfrei bestimmen kannst, und meide stark befahrene Straßenränder oder gespritzte Flächen. Bei Unsicherheit lieber einmal zu oft nachschauen als einmal zu wenig.


PS: Auf meinem instagram Kanal und in meinem Newsletter teile ich viele einfache & bewährte Rezepte rund um unsere Wildpflanzen.


Was mich an diesem Thema immer wieder fasziniert: Diese Pflanzen waren nie weg. Sie standen die ganze Zeit am Wegesrand, während wir gelernt haben, Gesundheit in Kapseln und Pulvern zu suchen. Für mich ist die Rückbesinnung auf Wildpflanzen deshalb weniger ein Trend als eine Erinnerung an etwas, das unsere Großeltern noch selbstverständlich wussten. Du musst nicht sofort alles umstellen. Ein Löwenzahnblatt mehr im Salat, eine Tasse Brennnesseltee statt der dritten Tasse Kaffee, das reicht als Anfang völlig. Wenn du Lust hast, diese und andere Wildpflanzen nicht nur zu lesen, sondern live in ihrer natürlichen Umgebung zu entdecken und bestimmen zu lernen, dann komm doch mal mit auf eine Kräuterwanderung, dort zeige ich dir genau diese Pflanzen und noch einige mehr, direkt vor Ort.


Quellen

  1. European Medicines Agency, HMPC: Community herbal monograph on Urtica dioica L., Urtica urens L., herba.

  2. European Medicines Agency, HMPC: Community herbal monograph on Sambucus nigra L., flos.

  3. European Medicines Agency, HMPC: European Union herbal monograph on Lavandula angustifolia Mill., flos.

  4. European Medicines Agency, HMPC: European Union herbal monograph on Valeriana officinalis L., radix.

  5. European Medicines Agency, HMPC: Community herbal monograph on Taraxacum officinale Weber ex Wigg., radix cum herba / folium.

 
 
 

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